Skiiifoan!

Skifahren und Umwelt schützen – zwei Dinge, die sich absolut nicht vereinbaren lassen. Oder? Kommt ganz darauf an, wie und wo man es angeht! Schließlich gibt es in Deutschland rund sechs Millionen aktive Wintersportler und die wollen ja nicht einfach alle auf den Skispaß verzichten.
Aber: Zwei Bretter unter die Füße und durch die Natur brausen? Skifahren bedeutet heutzutage vor allem eines: Energieverbrauch! Da müssen Tausende Besucher transportiert, Lifte betrieben, Hütten beheizt, Unterkünfte gebaut und Pisten präpariert werden – all das sorgt für eine schlechte Klimabilanz. Auf und neben der Piste wird jedoch zunehmend auf Nachhaltigkeit und ökologische Lösungen gebaut – und auch der einzelne Wintersportler kann so manches beachten, damit in Zukunft Skifahren weiter in der freien Natur und nicht nur in Skihallen möglich ist.

Der richtige Ort:
Wo soll es denn dieses Jahr hingehen? Die einen besuchen immer denselben vertrauten Ort in Österreich, die anderen sind stets auf der Suche nach neuen Gebieten mit aufregenden Pisten. Bei der Wahl achten auch viele darauf, was gerade „in“ ist – um nicht nur auf den Brettern vorne mit dabei zu sein, sondern anschließend in den angesagtesten Locations feiern zu können.
Deutschland – Garmisch-Partenkirchen:
Im Februar findet in Garmisch-Partenkirchen die Alpine Ski-WM 2011 statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurden viele Modernisierungs-Maßnahmen getroffen, auch was die Nachhaltigkeit angeht: Mithilfe eines Solarfonds und eigenen Wasser-, Wind- und Solaranlagen versorgt der Ort viele Berghütten und 850 Haushalte mit Ökostrom – unter anderem sorgt z.B. der größte Solarpark Oberbayerns dafür, dass jährlich über 875 Tonnen CO₂ eingespart werden. Außerdem setzen die Hotels und Restaurants im Ort auf eine regionale und damit klimafreundliche Küche.
Deutschland – Bad Reichenhall:
Der CO₂-Ausstoß soll durch die Nutzung klimafreundlicher Verkehrsmittel verringert werden: Die An- und Abreise ist mit S-Bahnen und Bussen möglich, Busfahren ist im ganzen Ort kostenlos. Im Sommer können außerdem Elektrofahrräder geliehen werden.
Österreich – Werfenweng:
Dieser beschauliche Ort in Österreich will die Natur schützen und bietet das ganze Jahr über „sanfte Mobilität“ an – mit zahlreichen Gratisangeboten zu alternativen Fortbewegungsmitteln. Auf der Website von Werfenweng können die durch An- und Abreise und Übernachtungen entstandenen Emissionen berechnet werden.
Schweiz – St. Moritz:
Das Wintersportparadies der Promis. Seit jeher gilt eines der bekanntesten Skiareale der Welt als Treffpunkt der Schönen und Reichen. Was in Sachen Klimaschutz getan wird: St. Moritz hat sich dazu verpflichtet, mindestens ein Drittel der Energie aus erneuerbaren Quellen zu beziehen, unter anderem wird Ökostrom aus einem lokalen Wasserkraftwerk bezogen.
USA – Aspen:
Hier tummeln sich die Hollywoodstars. Viele Promis residieren in eigenen Villen oder Luxushotels rund um das bekannteste Skigebiet der USA. Und noch etwas hat Aspen zu bieten: Es gilt als eines der nachhaltigsten Skigebiete der Welt. Ein Wasserkraftwerk produziert dort 150.000 Kilowattstunden Ökostrom im Jahr, ein noch größeres ist in der Planung. Zudem laufen viele der Lifte mit Energie aus Windkraftanlagen und eine eigene Umweltschutz-Stiftung investiert in lokale Umweltprojekte. Obwohl durch diese Maßnahmen der CO₂-Ausstoß verringert wird, lohnt sich Skifahren in Aspen von der Klimabilanz her nur für Anwohner, denn die Anreise würde zu schwer ins Gewicht fallen.

Verfolge doch mal einen neuen Trend und reise in ein Skigebiet, das Nachhaltigkeit und Klimaschutz bietet! Die meisten Skigebiete sind auch im Internet vertreten, wo du dich über die Klimaschutzmaßnahmen informieren kannst.
Am wichtigsten bei der Wahl des richtigen Ski-Resorts aber bleibt: nicht in die Ferne schweifen! Denn eine Flugreise fällt viel schwerer ins Gewicht als das Skifahren selbst. Wenn du zufällig kein Bergkindl bist sondern einer der Menschen, die nicht inmitten eines Wintersportparadieses wohnen, kommst du mit Bus und Bahn bequem von Deutschland nach Österreich und in die Schweiz. Vor Ort kann der ÖPNV genutzt werden. Und sollte das Auto doch mit von der Partie sein: immer schön ausgelastet fahren!

Die richtige Unterkunft:
Etwa 100 Millionen Menschen besuchen pro Jahr die Alpen, während nur 17 Millionen sie bewohnen. Diese Menschenmassen strömen dann in die kleinen beschaulichen Orte in Alpennähe. Die Bereitstellung von Unterkünften für so viele Menschen ist nicht nur eine Herausforderung, sondern belastet die Natur und treibt den Energieverbrauch in die Höhe. Am besten solltest du dich vorher erkundigen und in klimafreundlichen Unterkünften unterkommen. Viele Pensionen und Hotels in Wintersportorten setzen auf erneuerbare Energien aus der Region und auf regionale Holzkreisläufe für Brenn- und Bauholz. Wenn dein Bett auch noch in der Nähe der Piste steht, kannst du zusätzlich auf dem Weg zur Piste CO₂ sparen. Außerdem toll für das Klima und den Gaumen: regionale Küche! Viele Restaurants und Hotels bieten heimische Küche mit ökologischen Zutaten aus der Region an und tragen so zum Klimaschutz bei.
Eine abwechslungsreiche und naturverbundene Möglichkeit der Unterkunft bietet das Iglu-Dorf. An den Standorten Zugspitze, St. Moritz, Davos, Engelberg, Gstaad, Zermatt und Andorra kannst in einem echten Iglu schlafen. Damit du bei 0 bis 2 °C in deinem Iglu nicht frierst, werden Schlafsäcke für bis zu -40 °C bereitgestellt. Mit ausreichend warmer Kleidung, Sauna und Whirlpool wird der Aufenthalt trotzdem gemütlich. Und die Übernachtung ist zudem klimaneutral, denn alle anfallenden Emissionen werden kompensiert. Allerdings ist diese Art der Übernachtung i.d.R. nur für eine Nacht gedacht…weitere Infos erhältst du hier.

Die richtige Ausrüstung:
Skier oder Snowboard, Skischuhe, Stöcke, Helme, Skikleidung…als Wintersportler braucht man eine gute Ausrüstung. Leider werden in der Produktion viel Energie und Rohstoffe gebraucht – recyceln lässt sich die Ausrüstung nur selten. Einige Hersteller achten aber mittlerweile auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz:
Bretter:
Indigo: Bambus, ein schnell nachwachsender Rohstoff, wird in Skiern und Snowboards verarbeitet.
Fischer: hat ein eigenes Biomasse-Heizkraftwerk, produziert 100 % mit erneuerbaren Energien und nutzt viele alte Produkte für die Erzeugung von Wärme und Energie.
Arbor: arbeitet CO₂-neutral und setzt bei seinen Snowboards auf natürliche Materialien.
Völkl: bietet Ski und Boards aus Holz und setzt auf recycelbares, natürliches Material.
Kleidung:
Jedes Jahr gibt es neue coole Kollektionen und Modelle, die man am liebsten gleich haben möchte. Aber: ressourcenschonend und klimafreundlich ist es, die Skikleidung so lange wie möglich zu nutzen! Das schont auch deinen Geldbeutel… Ist es doch mal wieder soweit und du brauchst eine neue Jacke und Hose: Nachhaltigkeit und Umweltschutz erhalten langsam Einzug in die Ski-Mode. Sportbekleidungsmarken wie Vaude, Jack Wolfskin, Löffler, Schöffel und Bergans achten bei der Herstellung ihrer Kleidung auf natürliche und nachhaltige Rohstoffe (u.a. Bio-Baumwolle oder recycelte Materialien) und setzen zunehmend auf erneuerbare Energiequellen.

Die richtige Piste:
Möglichst viele schwarze Pisten wünschen sich die einen, die anderen wollen es lieber etwas gemächlicher und bevorzugen rote oder blaue Pisten, Langläufer suchen attraktive Loipen. Einen Wunsch aber haben alle gemeinsam: auf Brettern durch die wunderschöne, winterliche Natur der Berge zu fahren. Intakte und unberührte Natur geben die meisten Wintersportler als einen der wichtigsten Faktoren beim Ski-Spaß an. Leider hat die Natur unter den jährlichen Skifreuden jedoch zu leiden.

Die vielen Pisten müssen präpariert werden. Obwohl in den letzten beiden Wintern viel Schnee fiel, kommen dennoch oft Schneekanonen zum Einsatz, auch damit die Saison möglichst lange andauern kann. Außerdem sind ständig Pistenraupen im Einsatz, die CO₂ ausstoßen und die Schneedecke so fest zusammendrücken, dass die Erde darunter abstirbt.
Damit die Gäste nicht vor jeder Abfahrt eine stundenlange Bergtour mit Skiern auf dem Rücken absolvieren müssen, fahren zudem ununterbrochen Lifte die Berge hoch. All das braucht natürlich viel Energie – und die sollte aus erneuerbaren Quellen kommen! Weiter oben unter „Der richtige Ort“ kannst du sehen, in welchen Skiorten bereits auf Ökostrom gesetzt wird. Darüber hinaus sollten Schlepplifte wenn möglich vermieden werden, denn die vielen Besucher fügen dem Boden oft irreparable Schäden zu. Boden und Tieren zuliebe solltet ihr euch auch nicht auf Abwegen bewegen, sondern immer auf den befestigten Pisten und Loipen bleiben – dann können sich die Berge bis zur nächsten Saison erholen und die Tiere sind keinem zusätzlichen Stress ausgesetzt. Damit die scharfkantigen Skier dem Boden keine weiteren Schäden zufügen, ist es am besten, nur bei ausreichend dicker Schneedecke zu fahren (mind. 30 cm).

Wie man sieht: es ist durchaus möglich, auch beim Ski- und Snowboardfahren auf unsere schöne Erde zu achten. Denkt dran: Wintersport ist Natursport – was liegt da näher, als die Umwelt zu respektieren und so gut wie möglich zu schonen?! In diesem Sinne: Ski heil!

Zurück zur Newsletter-Übersicht

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>